Kitzinger Brauhöfe

Früher Bier, heute Wohnraum

Die Kitzinger Brauhöfe gelten als Initialzündung für die Innenstadt­entwicklung. Unter Erhalt des Grundcharakters des teils denkmalgeschützten Gebäudeensembles entstanden auf dem 4.000 m² großen Areal inmitten der historischen Altstadt 49 Eigentums­wohnungen.

Bildnachweis: KEG Projektentwicklung AG, Schwaig b. Nbg.

Die alte Schlosserei wurde mit einem Penthouse aufgestockt

Bildnachweis: KEG Projektentwicklung AG, Schwaig b. Nbg.

Lediglich ein kleiner Teil des rekonstruierten Lagerhauses wurde nachträglich verklinkert. Ansonsten zeigen die Fassaden auf, welche Gebäude alt und welche neu sind.

Bildnachweis: KEG Projektentwicklung AG, Schwaig b. Nbg.

Giebelständige Dächer und scheinbar nachträglich eingerückte Gebäudeteile greifen die lange Geschichte der Brauhöfe auf.

Bildnachweis: KEG Projektentwicklung AG, Schwaig b. Nbg.

Großzügige Loggien und Balkone schaffen halböffentliche Freiräume im ruhigen Innenhof.

Bildnachweis: KEG Projektentwicklung AG, Schwaig b. Nbg.

Weit auskragend vermitteln die Balkone eine dezidiert zeitgenössische Atmosphäre

Seit im Jahre 1998 das letzte „Bürgerbräu“ gebraut wurde, weckte das etwa 4.000 m² große Areal in bester Lage Begehrlichkeiten – von einer Einzelhandelsnutzung bis hin zu einem Museum gab es verschiedene Ideen. Doch erst 2014 gründeten Jens Fiebig, Mitglied der Eigentümerfamilie, und die KEG Projektentwicklung AG aus Schwaig bei Nürnberg die Kitzinger Brauhöfe GmbH, um das letztendliche Ziel einer Wohnbebauung voranzutreiben.  Ziel des ausgeschriebenen Architektenwettbewerbs war es, eine kleinteilige Anlage zu entwickeln, die sich unter Erhalt des Grundcharakters der Brauereigasse in den Stadtkern einfügt. Die Jury entschied sich für den Entwurf von Architekt Walter Sendelbach und seinem Team aus Urspringen bei Marktheidenfeld, dem es mit seinem Wettbewerbsbeitrag am besten gelungen war, die bestehenden Maßstäbe in die neuen Gebäude zu überführen.

Denkmalgerechte Bestandswahrung

Der Entwurf sah unter anderem die Weiternutzung von Teilen eines großen Lagergebäudes sowie der Malztenne vor, welche gemeinsam einen Eingang auf das Gelände bilden. Vom Gang zwischen den beiden Gebäuden ausgehend, erstrecken sich die Neubauten in L-förmiger Anordnung, wobei die alte Schlosserei als ebenfalls erhaltungswürdiger Bau an einem Ende des Ensembles einen leicht versetzten Schlusspunkt bildet.

Massive Wände für minimale Technik

Die drei über 100 Jahre alten Gebäude, allesamt in charakteristischen kleinformatigen Backsteinen errichtet, wurden vollständig entkernt, mit einer Innendämmung versehen und gemäß den Anforderungen an die Wohneinheiten im Inneren neu gegliedert. Hierfür kam Kalksandstein zum Einsatz, ebenso wie bei der Rekonstruktion derjenigen Außenmauern des Lagerhauses, die aufgrund vorheriger Beschädigungen nicht mehr zu retten waren. Und auch die Neubauten wurden mit dem weißen Stein errichtet. Konkret fiel die Wahl auf das großformatige Bausystem KS-QUADRO von KS-Original.

Walter Sendelbach schätzt das System für die wirtschaftliche Verarbeitung, die die materialtypischen Stärken wie hohen Brand- und Schallschutz sowie Tragfähigkeit ergänzt. „Darüber hinaus ist es mir besonders wichtig, dass der Baustoff temperaturausgleichend wirkt“, berichtet er. Aufgrund seiner hohen Rohdichte ist Kalksandstein ein perfekter, natürlicher Wärmespeicher – im Sommer wie im Winter. Er entzieht der Raumluft überschüssige Wärme, speichert sie und gibt sie bei sinkenden Temperaturen wieder an den Raum ab. „Es ist meine Überzeugung, dass wir von einer Übertechnisierung in Wohngebäuden wegkommen müssen. Das richtige Material, verbunden mit einem vernünftigen Verhältnis von Fenster- zu Wandfläche und Möglichkeiten zur diagonalen Belüftung, kann viel Technik ersetzen, die teuer und wartungsintensiv ist“, so der Architekt.

Umnutzung der Unterwelt

Die genaue Positionierung der neuen Gebäude vollzieht durchaus die ursprünglichen Strukturen der Brauereiensembles nach, folgt aber vor allem dem Verlauf der Bierkeller. Denn in denen gelang es Walter Sendelbach eine Tiefgarage mit ausreichend Parkplätzen nebst Kellerräumen unterzubringen. Über jeweils eigene Treppenhäuser sind die insgesamt sechs Gebäude mit diesen verbunden, das Areal selbst kann dadurch autofrei gestaltet werden. Insgesamt sind in den bis zu fünfgeschossigen Gebäuden 49 Eigentumswohnungen entstanden, von denen 38 barrierefrei sind. Die 6.800 m² Bruttogrundfläche verteilen sich dabei auf Einheiten von 65 bis 127 m² sowie eine Penthouse-Wohnung, die als Aufstockung der alten Schlosserei einen besonderen Hochpunkt bildet.

Kitzingen
97318

Kitzinger Brauhöfe GmbH & Co. KG

Architekturbüro Sendelbach, Urspringen

 https://sendelbach-architekten.de

2021

KS-QUADRO E

Kalksandstein, Außenwände mit Wärmedämmverbundsystem